Pressemitteilung anlässlich des Tages gegen antimuslimischen Rassismus

„Heute Morgen mal wieder mitten auf der Straße angebrüllt worden: „Kopftuch ab!“, (Lina, 40 Jahre, Sozialarbeiterin, alleinerziehend, liebt Cafés und Nachmittage mit ihren Freundinnen, Muslima). Das sind die Worte einer Betroffenen, welche durch die CLAIM-Allianz im Rahmen der Aktionswoche gegen antimuslimischen Rassismus sichtbar gemacht werden.

Anlässlich des Tages gegen antimuslimischen Rassismus möchte die Schura die besondere Wirkungskraft von rassistischen Strukturen inmitten unserer Gesellschaft ansprechen und inne halten für die Menschen, welche betroffen sind.

Betroffene Menschen erfahren Islamfeindlichkeit, welcher sich in alltäglichen, strukturellen und institutionellen Strukturen äußern kann. Es liegt in unserer gesellschaftlichen Verantwortung als islamische Religionsgemeinschaft auf diese Strukturen aufmerksam zu machen und zugleich die muslimfeindlichen Erfahrungen von betroffenen Menschen aufzuzeigen.

Im kürzlich veröffentlichen Lagebericht der CLAIM-Allianz zu Antimuslimischen Rassismus wurde deutlich, dass im Jahre 2022 insgesamt 898 Fälle registriert wurden. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen, da Betroffene oft von einer Anzeige absehen. Daraus resultiert der Bedarf von besserer Erfassung und Dokumentation von antimuslimischen Vorfällen und das Schaffen von Angeboten für Betroffene.

Antimuslimischer Rassismus beschreibt, dass Musliminnen und Muslime als das sogenannte „Andere“ mit vermeintlich unüberbrückbaren Merkmalen naturalisiert werden. Merkmale, wie religiöse Zugehörigkeit, Ethnie oder „Rasse“ werden sozial konstruiert und innerhalb von öffentlichen Diskursen abgewertet und unterworfen. Musliminnen und Muslime erleben immer noch zu oft Einschränkungen in ihren gesellschaftlichen Teilhabechancen.  

Anlässlich des Tages wollen wir an viele Vorfälle der Vergangenheit erinnern, welche sich über Generationstraumata in unsere Gegenwart getragen haben. Dazu gehören unter anderem die Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex, dem Anschlag von Hanau und der Mord an Marwa El-Sherbini. Antimuslimischer Rassismus kann verletzen und töten. Jedem Menschen sollte ein angemessener Schutz und Sicherheit gewährleistet werden. Die Schura Bremen möchte daher die Menschen im Land Bremen auf dieses wichtige Thema aufmerksam machen und sie darin stärken sich für betroffene Menschen einzusetzen und mit diesen zu solidarisieren.

Hinweis: Am 01. Juli 2009 wurde die 32-jährige schwangere Marwa El-Sherbini im Landgericht Dresden ermordet. Seither steht dieses Datum für den Tag gegen antimuslimischen Rassismus.

Quellen:

  1. Rommelspacher, Birgit (2009) „Was ist eigentlich Rassismus?“ in: Melter, Claus,
    Mecheril, Paul (Hrsg.): Rassismuskritik- Rassismuskritik- und Rassismustheorie-
    und Forschung.
  2. Hafez, Farid (2019) „Antimuslimischer Rassismus und Islamophobie: Worüber
    sprechen wir?“ in: Ucar, Bülent, Wassilis, Kassis „Antimuslimischer Rassismus
    und Islamfeindlichkeit“, Universitätsverlag Osnabrück.
  3. CLAIM-Allianz (2023) Antimuslimische Vorfälle in Deutschland (https://www.claim-allianz.de/content/uploads/2023/06/20230622_zivilgesellschaftliches_lagebild_antimuslimischer_rassismus_2022_claim_web-1.pdf?x65074)